Ein Hefezopf in Form eines Möbiusbandes, entstanden 2023 im Rahmen des Backwettbewerbs Mathematik am KIT – gemeinsam mit Janik Dietz.
Eine passende Backform gab es dafür selbstverständlich nicht zu kaufen – wir haben sie selbst gebaut. Die einzelnen, unterschiedlich gebogenen Blechsegmente wurden experimentell approximiert und zu einem in sich verdrehten Ring vernietet.
Ein Möbiusband entsteht, wenn man einen Streifen einmal um 180° verdreht und die beiden Enden zusammenklebt. Dadurch hat die entstehende Fläche nur noch eine Seite und nur einen Rand – man kann von jedem Punkt aus über die ganze Fläche laufen, ohne sie einmal zu wechseln.
Bei einem quadratischen Querschnitt wie hier gilt das im Kern genauso: Lokal hat der Körper vier Flächen (die vier Flächen, die das Quadrat im Querschnitt begrenzen). Durch die Verdrehung um 180° gehen aber jeweils gegenüberliegende Flächen ineinander über – außen wird zu innen, oben wird zu unten. Global bleiben deshalb nur zwei zusammenhängende Flächen übrig. Wenn eine Ameise den Möbiuszopf an der gezuckerten Seite entlangwandert, kommt sie an jede Stelle der gezuckerten Seite.
Die Oberfläche der Form lässt sich ähnlich wie bei einem Torus konstruieren: Ein Quadrat wird um eine Achse gedreht, die im Abstand R zu seinem Mittelpunkt in seiner eigenen Ebene liegt – das entspricht einer Kreisbewegung mit Radius R. Während das Quadrat einmal komplett um diese Achse läuft (um 2π), dreht es sich gleichzeitig nur ein halbes Mal (um π) um seine eigene Achse. Genau dieser halbe Dreh ist der Twist, der aus dem Ring ein Möbiusband macht. Daraus ergibt sich folgende Parametrisierung:
mit v = −u/2 + k·π/2 für k ∈ {0, 1, 2, 3} (die vier Seiten des Quadrats), u ∈ (0, 2π), t ∈ (0, 1). 2r ist die Diagonale des Quadrats, gebacken haben wir mit R = 135 und r = 40 (in mm).
Aus Aluminiumblech biegen lässt sich eine Fläche nur, wenn sie sich verzerrungsfrei abrollen lässt – mathematisch bedeutet das: überall verschwindende Gaußsche Krümmung. Genau das ist beim Möbiusband nicht der Fall, die Fläche lässt sich also nicht exakt abwickeln. Wir haben das Problem deshalb approximiert: Mit der Parametrisierung oben haben wir die Form zunächst im Kleinen 3D-gedruckt, sie mit Kreppband abgeklebt und diese Abklebung anschließend auf einer Ebene geplättet. Die so gewonnene Fläche konnten wir aus Alublech aussägen und zur endgültigen Form biegen – daher die einzeln unterschiedlich gebogenen und vernieteten Segmente auf den Fotos oben.
Damit sich der fertige Zopf nach dem Backen überhaupt aus der Form heben lässt, darf unterhalb des Unterteils und oberhalb des Oberteils kein Teig mehr liegen – sonst ließe er sich nicht mehr gerade nach oben herausnehmen. Daraus ergibt sich die eigenwillig geschwungene Form der beiden Hälften, wie sie auf den Fotos der Segmente oben zu sehen ist. Ein Hefeteig eignet sich dafür besonders gut: Er läuft nicht aus und füllt durch das Aufgehen die Form vollständig aus.